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Geschrieben von Lail am 29.04.2009 um 17:10:

  Augen auf bei der Verlagswahl

Weil ich in verschiedenen Foren in letzter Zeit wieder viel Mist lesen durfte, wo Zeichnern sehr dubiose Angebote gemacht wurden, ist es an der Zeit, hier mal ein paar Tipps zur Kleinverlagsszene auszubreiten. Ich lade jeden zur Diskussion und zum Informationsaustausch ein. Bitte nur keine Verlagsnamen nennen. Infos kommen z.T. aus unseren Unterlagen des Bewerbungsworkshops für die Connichi.

Ziel ist es, ein paar Hintergründe zu erläutern, damit jeder Zeichner ungefähr weiß, WAS er da eigentlich unterschreibt und ihn vor Lockangeboten zu schützen. Alle Angaben wie immer ohne Gewähr ;D


1. Kleinverlag, Druckkostenzuschussverlag - oder: bewusste Verlagswahl
Druckkostenzuschussverlag. Altes Streitthema. Für die einen - nicht zu Unrecht - das Übel in der "Szene" schlechthin, für die anderen eine gute Möglichkeit, "alternative" Bücher zu veröffentlichen, die nicht ins Mainstream-Programm passen.

Grundsätzlich bleibt die Verlagswahl jedem selbst überlassen, ihr solltet euch lediglich bei DKZV bewusst sein, dass die im Allgemeinen keinen guten Ruf bei anderen Verlagen haben. U.a. deshalb, weil jeder Geld bezahlen kann, um verlegt zu werden, aber auch aufgrund qualitativer Mängel in punkto Lektorat, Satz und Druck.

Viele Kleinverlage bieten mindestens die gleiche Qualität wie DKZV, haben aber zumindest ein besseres Eingangslektorat, weil sie das wirtschaftliche Risiko allein tragen. Auch deshalb gelten DKZV als "Vanity Press", weil es sich immer wieder bestätigt, dass sie oftmals Autoren verlegen, die noch nicht einmal bei Kleinverlagen unterkommen konnten.

Aber auch DKZV ist nicht unbedingt gleich DKZV. Hier gibt es Unterschiede. Es mag "gute" DKZVerlage geben - mit einer nachvollziehbaren Preispolitik. Hier gilt es, sich zu informieren.

Leider weiß der Durchschnittsautor im Anfängerstadium nicht, was er von einem Verlag in der Regel erwarten darf bzw. was gute Qualität ist.
Hier eine kleine Checkliste, die euch bei eurer Wahl helfen soll.

CHECK:

- Wie sehen die Publikationen des Verlags aus (Cover? Satzspiegel? Papierqualität? Menge?)?

Negativbeispiel:
Kleinverlag A ist ein 1-Mann-Betrieb (schaut ins Impressum, wenn sogar DAS fehlt bei einer deutschen Seite, lasst die Finger davon), hat aber in den letzten 3 Monaten schon 20 neue Titel auf den Markt geworfen.
Wenn der Inhaber von A nicht gerade Millionär ist und unzählige freiberufliche Mitarbeiter beschäftigt, stinkt das nach Book-on-Demand-Druck (also Einzeldruck) ohne Lektorat. Wenn die Cover der Bücher auch noch allesamt scheiße aussehen und die Soft-Cover-Taschenbücher 25-30 Euro kosten, wird diese Vermutung nur weiter bestätigt.

Weitere Negativbeispiele:
- Häufung von Rechtschreibfehlern auf der Homepage
- Häufung von Rechtschreibfehlern in den Kontaktmails mit dem Verlag (Redakteure und Verlagsleitung sollten schon gutes Deutsch in Schrift und Sprache beherrschen, sonst ist das kein gutes Zeichen ...)


- Wie teuer sind sie durchschnittlich?Siehe oben - 25-30 Euro pro Soft-Cover-TB = zu viel.


- Wie aktiv ist der Verlag (Wie alt ist die jüngste Veröffentlichung, ist der Verlag auf Messen vertreten, organisiert er Lesungen / Signiertermine?)?


- Sollt ihr etwas zahlen, wenn ja: Was bekommt ihr dafür?
Einige Verlage sind zumindest so fair, dass ihr das Geld, dass ihr investiert, in Büchern bekommt. Außerdem schreiben manche Verlage genau, für was ihr bezahlt - also z.B. nur für den Druck oder für die Dienstleistung des Lektorierens und Setzens (je nachdem dürfen eure Ansprüche auch ruhig höher sein, schließlich bezahlt ihr dann dafür).


- Schaut euch die Verträge an.
Hier gibt es viele Fußangeln im Bereich des Gerade-Noch-Zulässigen. Wenn ihr unsicher seid, gebt ggf. das Geld aus für einen Rechtsanwalt.
ODER: Schreibt dem Verlag, dass ihr Klausel X und Y nicht versteht.
Lasst den Verlag euch erklären, was gemeint ist, behaltet die E-mail - bestenfalls verlagt ihr, dass sie euch das schriftlich gegen sollen. Dann könnt ihr, wenn der Verlag später behauptet, es bedeute doch etwas anderes, notfalls vor Gericht beweisen, wie ihr die Klausel verstehen durftet.


2. Honorar und Gewinnbeteiligung
Weil ich diesen Punkt für zentral halte, bekommt's ne eigene Nummer.
Dass man bei einem großen Verlag etwas bekommt, ist klar.

Bei Kleinverlagen beobachtet das geschulte Auge einen regelrechten Wettbewerb mit Versprechungen, was die Autoren nicht alles bekommen. Hier sind meistens die seriöser, die ihre Regelungen nicht offen aushängen - die großen tun es auch nicht.


Grundsätzlich gibt es folgende "Honorar"-Varianten:
a) einmalige Honorarzahlung/feste Seitenpreise
b) Gewinnbeteiligung
c) Beteiligung an den verkauften Exemplaren
d) Honorar bzw. Vorschuss und Verkaufsbeteiligung nach Vorschussverrechnung


a) einmalige Honorarzahlung/feste Seitenpreise
Wenn im Vertrag drinsteht, dass ihr X Euro pro Seite bei Vertragsschluss bzw. Abgabe des fertigen Werkes bekommt, dann ist dieses Geld SICHER (bzw. ihr habt einen simplen Anspruch, den ihr durchsetzen könnt)!
Zwar bekommt ihr keine Beteiligung (in der Regel wird dann ein Teil des Honorars bei einer Neuauflage nochmal gezahlt), dafür habt ihr aber etwas in der Hand und müsst keiner Beteiligung hinterherlaufen.
Diese Variante wird häufig bei Anthologien verwendet und macht dort auch Sinn. Eine %-Beteiligung an Anthologien ist entweder Humbug oder der Verlag hat sich verschrieben/keine Ahnung und ihr habt Glück oder man macht euch das Versprechen, ihr würdet eine Beteiligung erhalten.

Wenn im Anthologie-Vertrag drinsteht, der Autor erhält eine Beteiligung gemessen an seinem Beitrag zum Gesamtwerk, dann heißt das nichts Gutes. Wenn eine Anthologie 100 Seiten habt und ihr füllt davon 10, dann bekommt ihr z.B. 1/10 von den Beteiligungsprozenten. Die Beteiligung liegt in der Regel zwischen 5-7% bei Einsteigern. Jetzt rechnet euch mal aus, was 1/10 von 7% Beteiligung sind, wenn das Buch nachher 6 Euro kostet (sofern die % Beteiligung sich nach dem Verkaufspreis richtet und nicht etwa nach dem Nettoerlös, dazu weiter unten ...).

Es bleibt festzuhalten: Bei Anthologien könnt ihr mit einem einmaligen Honorar grundsätzlich zufrieden sein, wenn's für jede Auflage nochmal was gibt, ist's wirklich nicht schlecht.


b) Gewinnbeteiligung
Viele Verlage versprechen aber eine Beteiligung am "Gewinn".
Das ist natürlich legitim.
Aber ihr solltet euch im Klaren sein, was das bedeutet:
Gewinn = Einnahmen abzüglich ALLER Kosten, die der Verlag so tragen musste (Druckkosten, Satzkosten, Autorenhonorar, etc.).

Es klingt immer sehr schön, wenn dem Autor 25% oder mehr vom Gewinn versprochen werden.
Mich würde das erstmal stutzig machen.

Bei einer 1000er Auflage eines Buchs entstehen dem Verlag schon Druckkosten im vierstelligen Bereich. Dazu kommen ggf. Kosten für den Satz, Lagerung, etc. Und dann soll das Buch/der Manga nur 5-8 Euro kosten?

Fazit: Glaubt nicht, dass ihr 25% von den 5-8 Euro (inklusive 7% MwSt.) pro verkauftem Buch kriegt.

Ihr bekommt 25% von dem Erlös aus dem Buchverkauf (-40 bis 60% des Buchpreises fallen durch Händlerrabatt weg) abzüglich aller Kosten, die der Verlag im Bezug auf die Buchherstellung sonst noch geltend machen kann.

Hier gilt: Lasst es euch vorrechnen, was ihr bekommt (seriöse Verlage tun das in der Regel).

ACHTUNG, es gibt auch noch die so genannten Nebenrechte (gefolgt von einer langen Liste). Hier solltet ihr in der Regel schon 25-50% des Erlöses bekommen.


c) Beteiligung an den verkauften Exemplaren
Sieht ähnlich aus wie die Gewinnbeteiligung, allerdings wird euch hier im Vertrag versichert, dass ihr X% vom Netto-Ladenpreis (also -7% MwSt.) bekommt. Hier könnt ihr dann in der Regel davon ausgehen, dass der Verlag die X% in den Preis mit eingerechnet hat.

WICHTIG für Beteiligung generell: Im Vertrag steht, wann abgerechnet wird und bis wann euch die Abrechnung zugehen muss. In der Regel wird jährlich, halbjährlich oder quartalsweise abgerechnet. Viele Verlage schreiben auch oft in den Vertrag, dass sie erst ab 50 Euro auszahlen und so lange weiter sammeln. TROTZDEM müssen die Verlage eine Abrechnung schicken, auf der steht dann eben nur drauf, dass nichts ausgezahlt wird. fröhlich


d) Honorar bzw. Vorschuss und Verkaufsbeteiligung nach Vorschussverrechnung
So handhaben es in der Regel die großen Verlage: Ihr bekommt ein festes Honorar, werdet aber erst an den Buchverkäufen betreiligt, wenn der Gewinn des Verlags euer Honorar aufgezehrt hat (Vorschuss).
In der Praxis wird sich euer Buch aber auch bei Großverlagen nicht immer so gut verkaufen (siehe "Gewinn").



Tipp am Rande:
Wenn ihr zu größeren Verlagen wollt, solltet ihr nicht mit euren Veröffentlichungen bei DKZVerlagen hausieren gehen, das kommt in der Regel NICHT seriös an, weil eben in der Regel solchen Verlagen kein guter Ruf anhaftet. Zählt die Veröffentlichungen auf, aber stellt sie nicht als besondere Qualifikation dar.



Exkurs: Ähnliches gilt übrigens für Agenturen. Lest euch gut durch, was ihr unterschreibt.
Es gibt viele sehr gute Agenturen. Aber auch viele schwarze Schafe - und bei denen kommt man in der Regel leichter rein ;D


Sooo, wir sammeln weiter fröhlich



Geschrieben von Kerimaya am 29.04.2009 um 18:19:

 

AMEN!

EDIT: Grade noch gefunden, evtl. eine Ergänzung zum Thema Agenturen: http://www.literaturcafe.de/so-erkennen-sie-dubiose-literaturagenten-und-literaturagenturen/


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